Crohn-Colitis Zentrum

Im Crohn-Colitis-Zentrum mit Standorten in Bern und Fribourg behandeln wir Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Leitend sind drei Experten: Dr. Christoph Matter, PD Dr. Pascal Juillerat und Prof Dr. Frank Seibold. Sie sind Mitglieder der European Crohn’s and Colitis Organisation ECCO und pflegen den regelmässigen Austausch mit anderen Crohn- und Colitis-Spezialisten aus ganz Europa und den USA. Ziel ist es, im Sinne der Patientinnen und Patienten von Intesto, moderne Therapiestandards festzulegen.

Die Expertise des Intesto-Führungsteams und die Beteiligung an klinischen Studien machen es möglich, Patientinnen und Patienten innovative Medikamente und Therapiekonzepte anzubieten. Unterstützt wird das Führungsteam durch ausgebildete Fachpflegekräfte für chronisch entzündliche Darmerkrankungen (IBD-Nurses).

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, kurz CED, sind chronische Entzündungen im Darm. Die beiden häufigsten Formen sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Bei Morbus Crohn kann die Entzündung an jeder Stelle im Verdauungstrakt auftreten, also vom Mund bis zum After. Colitis ulcerosa betrifft nur den Dickdarm. Beide Krankheiten verlaufen in Schüben, sodass es auch symptomfreie Zeiten gibt. Meist treten erste Symptome zwischen dem 18. und 30. Lebensjahr auf, manchmal auch später. In der Schweiz sind etwa 2 von 1000 Menschen betroffen.

Bauchschmerzen und Durchfall sind die häufigsten Beschwerden bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Blutiger Durchfall tritt vor allem bei Colitis ulcerosa auf. Morbus Crohn zeigt verschiedene Symptome. So treten oft Durchfall, Krämpfe oder Bauchschmerzen wegen der zugrunde liegenden Darmverengungen auf. Viele Patientinnen und Patienten fühlen sich müde und schwach, sie haben Fieber oder verlieren Gewicht. Ein grosses Problem ist die sogenannte «Urgency», also der starke Drang, dringend auf die Toilette zu müssen. Diese Symptome entstehen durch Entzündungen im Enddarm und belastet die Lebensqualität sehr. Eine vertrauensvolle Betreuung der Patientinnen und Patienten unterstützt, Komplikationen frühzeitig zu verhindern.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen betreffen nicht nur den Darm, sondern können auch andere Organe angreifen. Diese nennt man extraintestinale Manifestationen. Dabei können Hautveränderungen, Augenentzündungen oder Gelenkprobleme auftreten. Selten sind auch andere Organe betroffen.

Bis heute ist nicht genau bekannt, wie chronisch entzündliche Darmerkrankungen entstehen. Forschende weltweit finden jedoch immer neue Hinweise. Drei Ursachen sind bereits bekannt: Umweltfaktoren, Erbveränderungen und Probleme im Immunsystem. Studien zeigen, dass Morbus Crohn und Colitis ulcerosa oft vermehrt innerhalb einer Familie auftreten, insbesondere Morbus Crohn. Im Rahmen von Forschungen wurden bislang über 120 Erbveränderungen definiert, die das Erkrankungsrisiko erhöhen können. Wichtig ist jedoch: Eine Veränderung bedeutet nicht automatisch, dass man krank wird! Deshalb macht eine genetische Untersuchung im Alltag wenig Sinn. 

Symptome zeigen sich, wenn die Erbveränderungen das angeborene (innate) Immunsystem stören, das normalerweise Bakterien und Pilze schnell bekämpft. Ist dieses System angegriffen, gelangen Erreger in Kontakt mit dem erworbenen, also dem spezifischen (adaptiven) Immunsystem. Dieses löst eine starke Abwehrreaktion aus, die den Darm schädigen kann. Das Immunsystem schafft es oft nicht, die Entzündung zu stoppen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Darmflora, denn bei vielen Patientinnen und Patienten reagiert das Immunsystem übertrieben auf die eigenen Darmbakterien. Umweltfaktoren beeinflussen diesen Prozess. Zum Beispiel wirkt sich Rauchen unterschiedlich aus: Bei Morbus Crohn führt Rauchen zu mehr Krankheitsschüben, bei Colitis ulcerosa kann es dagegen die Krankheit abschwächen.

In der Annahme, dass ihre chronisch entzündliche Darmerkrankung durch eine falsche Ernährung ausgelöst wurde, probieren Patientinnen und Patienten verschiedene Diäten aus. Und es gibt Diätformen, die Entzündungen im Darm verringern können. Dazu gehört zum Beispiel die Mittelmeerdiät mit Oliven, Gemüse und Meeresfisch. Bekannt ist auch, dass rotes Fleisch eher zu Krankheitsschüben führt als weisses Fleisch. Und die sogenannte Elementardiät (wie Astronautenkost) hat bei manchen Patientinnen und Patienten ebenfalls zu Linderungen geführt. Eine Behandlung mit Medikamenten, kombiniert mit einer gesunden Ernährung ist jedoch in aller Regel der beste Weg. 

Besteht der Verdacht auf eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, liefert die Messung von Calprotectin im Stuhl eine erste Antwort. Ist der Wert hoch, deutet das auf eine Entzündung im Darm hin und es empfiehlt sich eine Darmspiegelung. Diese wird unter leichter Sedierung durchgeführt. Während die Patientin, der Patient schläft, schaut sich die Ärztin, der Arzt mittels eines dünnen Schlauchs, der an der Spitze eine kleine Kamera hat, den Dickdarm und das Ende des Dünndarms an. Manchmal sind ausserdem weitere Untersuchungen nötig, wie zum Beispiel eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Dünndarms oder eine Videokapsel-Endoskopie. Bei Verdacht auf eine Erkrankung im oberen Magen-Darm-Bereich kann auch eine Magenspiegelung gemacht werden. Mit einem Endoskop werden dabei der Magen und Zwölffingerdarm untersucht. Während der Spiegelungen können kleine Gewebeproben entnommen werden, die unter dem Mikroskop auf Entzündungen untersucht werden. 

Die Diagnose Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa basiert auf der Kombination von Bildern, Gewebeproben und den Beschwerden der Patientin, des Patienten. Zusätzlich können Bluttests und Ultraschall helfen, die Krankheit besser einzuordnen und den Entzündungsbereich zu erkennen.

Für Patientinnen und Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen ist oftmals die Hausärztin, der Hausarzt die erste Ansprechperson. Sich an ein spezialisiertes Zentrum zu wenden, bietet jedoch zahlreiche Vorteile. Das Intesto-Team beobachtet die Krankheit über die Zeit genau. Ziel ist es, dass Ihr Darm auch im hohen Alter gut funktioniert. Deshalb setzen wir alles daran, die Entzündung im Darm möglichst gut zu kontrollieren.

Chistoph Matter im Gespräch mit einer Patientin
Arzt in blauer Klinikuniform bei Beratung im Crohn-Colitis-Zentrum, das spezialisierte Behandlung für entzündliche Darmerkrankungen wie Crohn und Colitis bietet.

Nicht medikamentöse Therapieformen

Eine dauerhafte Heilung von Crohn-Colitis-Erkrankungen ist bislang nicht möglich. Bei fast allen Patientinnen und Patienten lässt sich die Erkrankung jedoch mit Medikamenten so gut kontrollieren, dass eine weitgehend normale Lebensqualität erreicht werden kann. 

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen verlaufen sehr individuell, entsprechend sollte auch die Behandlung sein. Vor allem, da Erkrankungen schleichend zu Komplikationen führen können, bietet eine Betreuung durch eine spezialisierte Fachperson die Chance, Spätfolgen möglichst zu vermeiden.

In unserer Crohn-Colitis-Sprechstunde geben wir einen Überblick zu aktuellen und modernen Therapien. Wobei wir grundsätzlich zwischen medikamentösen und chirurgischen Therapien sowie begleitenden Massnahmen unterscheiden.

Psyche und Immunsystem stehen in engem Zusammenhang. Patientinnen und Patienten, die psychisch stabil sind, fühlen sich oft besser als jene, die unter inneren Konflikten oder der Krankheitsbelastung leiden. Der Austausch mit speziell psychosomatisch geschulten Ärztinnen und Ärzten kann helfen, die Krankheits- und Lebenssituation besser zu bewältigen und sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken.

Für komplementärmedizinische Therapien liegen bislang kaum wissenschaftlich fundierte Studienergebnisse vor. Eine generelle Empfehlung ist daher nicht möglich. Eine individuelle Betreuung bedeutet für uns jedoch, in vertrauensvollen Gesprächen auch ergänzende Behandlungsmöglichkeiten anzusprechen. So scheint zum Beispiel eine regelmässige sportliche Aktivität die Krankheit günstig zu beeinflussen.

Medikamentöse Therapieformen

Mittlerweile gibt es zahlreiche Medikamente zur Behandlung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen. Die Wahl des passenden Präparats hängt von der Ausdehnung sowie dem Schweregrad und Krankheitsverlauf ab. Wie auch bei anderen Medikamenten wirkt keines bei allen Patientinnen und Patienten gleich gut. Im Durchschnitt sprechen rund 80 Prozent der Betroffenen auf die Behandlung an. Bei unzureichender Wirkung gibt es alternative Medikamente.

Diese Medikamente kommen bei milden bis mässiggradigen Schüben einer Colitis ulcerosa zum Einsatz – in Tablettenform wie auch als Schaum, Einlauf oder Zäpfchen. Sie dienen der Behandlung akuter Schübe, eignen sich aber auch zur Erhaltungstherapie, um weitere Krankheitsschübe zu vermeiden. In der Regel sind die Präparate sehr gut verträglich und verursachen nur selten Nebenwirkungen.

Der Einsatz von Antibiotika kann bei Morbus Crohn-Schüben Linderung bringen.

Akute und schwere Schübe bei Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn werden meist mit Kortison behandelt und lassen sich damit gut kontrollieren. Aufgrund möglicher Nebenwirkungen und nachlassender Langzeitwirksamkeit sind die Medikamente jedoch als Dauertherapie nicht geeignet. Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem «Vollmondgesicht» (medizinisch Cushing-Syndrom), Akne und Osteoporose.

Budesonid ist ein Kortisonpräparat mit weniger Nebenwirkungen. Eingesetzt wird es insbesondere bei Morbus Crohn im Bereich des Übergangs zwischen Dünn- und Dickdarm. 

Patientinnen und Patienten mit mehr als zwei Schüben pro Jahr können auf Immunsuppressiva eingestellt werden. Diese werden als Tabletten verabreicht und ermöglichen vielen Betroffenen ein langfristiges schubfreies Leben. Aufgrund möglicher Nebenwirkungen sind regelmässige klinische und laborchemische Kontrollen erforderlich. Besonders im höheren Alter raten Expertinnen und Experten zu alternativen Medikamenten.

Methotrexat ist ein Immunsuppressivum, das wöchentlich intramuskulär oder subkutan verabreicht wird. Es soll weitere Schübe verhindern, kann aber Nebenwirkungen im Bereich von Blutbild, Leber und Lunge verursachen. Auch Übelkeit und Haarausfall können auftreten. Vor allem bei jungen Frauen mit Kinderwunsch ist dieses Medikament kontraindiziert.

Die Rede ist von TNF-Blockern wie Adalimumab, Certolizumab pegol, Golimumab und Infliximab. Diese Antikörper blockieren gezielt den Entzündungsbotenstoff TNF-Alpha und führen meist rasch zu einer Besserung der Beschwerden. Sie gelten allgemein als gut verträglich. 

Adalimumab und Certolizumab pegol werden alle zwei bzw. vier Wochen unter die Haut gespritzt; Infliximab wird alle acht Wochen als Infusion verabreicht oder neuerdings auch als subkutane Injektion. Die Therapie erfolgt meist über viele Monate. Wie bei allen Immunsuppressiva können auch hier Infektionen auftreten, weshalb vor Therapiebeginn Infektionen, insbesondere Tuberkulose, ausgeschlossen werden müssen.

Vedolizumab ist seit 2015 verfügbar und blockiert gezielt die Wanderung entzündungsfördernder weisser Blutkörperchen in den Darm. Das Medikament wird als Infusion in den Wochen 0, 2 und 6 gegeben. Danach erfolgt die Applikation alle acht Wochen, alternativ auch alle zwei Wochen subkutan. Das Nebenwirkungsprofil ist günstig, Vedolizumab benötigt jedoch einige Wochen bis zum Wirkungseintritt.

Ustekinumab ist ein Interleukin-12/23-Blocker mit immunmodulierender Wirkung. Es wird sowohl bei Morbus Crohn als auch bei Colitis ulcerosa eingesetzt. Nach einer Initialinfusion folgen subkutane Injektionen alle 8 bis 12 Wochen. Das Medikament weist ein sehr gutes Nebenwirkungsprofil auf und verliert über längere Zeit selten an Wirksamkeit.

Guselkumab ist ein selektiver Interleukin-23-Blocker und für mittelschweren bis schweren Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zugelassen. Die Therapie beginnt mit drei intravenösen Gaben, gefolgt von subkutanen Injektionen alle acht Wochen. Die bisherigen Studien zeigen eine hohe Wirksamkeit bei guter Verträglichkeit.

Risankizumab ist ein selektiver Interleukin-23-Blocker und für mittelschweren bis schweren Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zugelassen. Die Therapie beginnt mit drei intravenösen Gaben, gefolgt von subkutanen Injektionen alle acht Wochen. Die bisherigen Studien zeigen eine hohe Wirksamkeit bei guter Verträglichkeit.

Mirikizumab ist bei mittelschwerer bis schwerer Colitis ulcerosa zugelassen, insbesondere bei unzureichendem Ansprechen auf herkömmliche Therapien oder Biologika. Nach drei initialen Infusionen in den Wochen 0, 4 und 8 folgt eine Erhaltungstherapie mit subkutanen Injektionen alle vier Wochen. Falls erforderlich, können bei einem Rückfall erneut drei Infusionen verabreicht werden. Das Nebenwirkungsprofil ist sehr gut.

Tofacitinib ist ein sogenannter JAK-Inhibitor, der bei Colitis ulcerosa eingesetzt wird. Es wird morgens und abends als Tablette eingenommen. Die Vorteile sind ein rascher Wirkungseintritt, jedoch ist das Risiko für Infektionen, insbesondere mit Herpes Zoster, erhöht. Vor Therapiebeginn wird deshalb eine entsprechende Impfung empfohlen.

Dieser JAK-Inhibitor ist sowohl bei Colitis ulcerosa als auch bei Morbus Crohn zugelassen. Die Tabletten sind in verschiedenen Dosierungen erhältlich, wobei immer die niedrigstmögliche wirksame Dosis verwendet werden sollte. Die Wirkung tritt schnell ein, gelegentlich können Infektionen oder in seltenen Fällen Gefässkomplikationen auftreten. Auch hier wird vor Therapiebeginn eine Herpes-Zoster-Impfung empfohlen.

Ozanimod ist ein orales Medikament für Colitis ulcerosa, das ursprünglich in der Behandlung der Multiplen Sklerose eingesetzt wurde. Es reduziert die Zahl der im Darm ankommenden Lymphozyten und zeigt ein insgesamt günstiges Nebenwirkungsprofil.

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Ergänzende Therapieformen

Probiotika
Gutartige Bakterien beeinflussen die Darmflora positiv. Die Therapie ist nahezu nebenwirkungsfrei und zeigt insbesondere bei Colitis ulcerosa gute Wirksamkeit.

Vitamine und Spurenelemente
Bei manchen Patientinnen und Patienten kann es notwendig sein, Eisen, Spurenelemente wie Zink und Selen sowie Vitamine wie Vitamin B12 und Folsäure zu ergänzen – entweder in Tablettenform oder als Injektion.

Studien

Regelmässig finden in unserem Zentrum klinische Studien statt. Gerne beraten wir Sie bezüglich einer Teilnahme. Patientinnen und Patienten werden dabei klinisch sorgfältig überwacht und die eingesetzten Medikamente erhalten Teilnehmende kostenlos.

Weitere Infos finden Sie hier: https://www.ibdsg.ch/studien/.

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